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Geschichte des Hauses

Vom Kindergarten zum Mehrgenerationenhaus
Die Pusteblume als Beispiel soziokultureller Quartiersarbeit

Soziokultur ist ein wichtiger Bestandteil des heutigen Lebens in Halle-Neustadt. Es gibt zahlreiche Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und Familien, aber auch für Senior/innen oder für alle Generationen. Es gibt Migrantenselbstorganisationen oder auch soziokulturelle Angebote der evangelischen Kirche. Die Palette ist bunt und breit. Die Entwicklung der „Pusteblume“ vom Kindergarten hin zu einem Mehrgenerationenhaus beschreibt gebündelt das, was in Halle-Neustadt soziokulturelles Leben kennzeichnet – nämlich: Flexibilität!

Entstanden ist die „Pusteblume“ als sogenannte Kinderkombination beim Bau des III. Wohnkomplexes. In einer Kinderkombination waren eine Krippe für Kinder bis drei Jahren und ein Kindergarten für Kinder bis sieben Jahren in einem Haus zusammengefasst. Die Kindereinrichtung „Pusteblume“ wurde am 17. September 1971 eingeweiht und als solche bis Anfang der 1990er Jahre auch genutzt.[1]

Als nach der Wende wegen des enormen Bevölkerungsverlustes auch der Bedarf an Kinderbetreuungseinrichtungen zurückging, stellte sich unter anderem für die „Pusteblume“ die Frage nach dem „Wie weiter?“. Bereits vor der Wende hatte es in Halle-Neustadt ein breites Spektrum an kulturellen und gesellschaftlichen Aktivitäten gegeben. Dem sollte auch weiterhin Raum für „Mit-Machen“ und Entfaltung eingeräumt werden.

Im Zuge dessen wurde die Idee geboren, einen Verein zu gründen, der allen soziokulturell interessierten und engagierten Vereinen, Initiativen und Einzelpersonen ein Domizil bieten könnte. Im Jahr 1994 entstand die „Vereinigung Kommunale Kultur Halle e.V.“. Die „Pusteblume“ entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einem soziokulturellen Zentrum in Trägerschaft dieser Vereinigung. Vor allem hallesche Künstler nutzten das Haus. So entstand eine Mal- und Zeichenwerkstatt unter der Leitung von Uwe Duday. Das Mitglied des Halleschen Kunstvereins e.V. und der Vereinigung Hallescher Künstler vermittelte im Soziokulturellen Zentrum interessierten Menschen überwiegend graphische Techniken, wie Tuschzeichnungen, Monotypien, Frottagen sowie Mischtechniken.[2] Zahlreiche Ausstellungen, die stadtweit gezeigt wurden, entstanden. Aber auch Künstlergespräche, Literaturabende, Keramikzirkel, Schulprojekte, eine Geschichtswerkstatt – all das und noch vieles mehr etablierte sich in der „Pusteblume“.

Zum Jahreswechsel 2008/2009 übergab die „Vereinigung Kommunale Kultur Halle e.V.“ den Betrieb des soziokulturellen Zentrums an die SPI – Soziale Stadt und Land Entwicklungsgesellschaft mbH. Die marode Haushaltslage der Stadt Halle (Saale) erforderte ein konzeptionelles Umdenken. Es musste ein tragfähiges Finanzierungskonzept entwickelt werden, das sowohl die städtische Kasse entlasten als auch die soziokulturelle Arbeit auf ähnlichem Niveau weiterführen konnte. Das Konzept eines Nachbarschaftszentrums wurde entwickelt und das Haus mit neuem Leben angereichert. Neben den bereits vorhandenen soziokulturellen und künstlerischen Angeboten waren nun auch Beratungs- und Weiterbildungsangebote, Freizeitangebote für Senior/innen, ein Jugendfreizeittreff oder Angebote der Migrantenarbeit in der „Pusteblume“ anzutreffen.

Das Nachbarschaftszentrum „Pusteblume“ konnte sich im Stadtteil weiter etablieren und erhielt in 2010 den „Preis Soziale Stadt“. Diese Auszeichnung ist eine Gemeinschaftsinitiative einer großen Bandbreite von Auslobern aus Politik und Wissenschaft, Wohnungswirtschaft und Wohlfahrtspflege. Ziel der Preisverleihung ist es, innovative Projekte und ganzheitliche Ansätze, die auf vielfältigen Kooperationen unterschiedlicher Akteure basieren, einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen.[3]

Zum 1. Januar 2012 wurde aus dem Nachbarschaftszentrum ein Mehrgenerationenhaus, gefördert aus einem Aktionsprogramm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie aus Mitteln der Europäischen Union und des Europäischen Sozialfonds. Wieder wurde das Konzept an die sich verändernden Bedarfe im Stadtteil angepasst.

Das Mehrgenerationenhaus „Pusteblume“ agiert nun in vier Themenbereichen: Alter und Pflege, Integration und Bildung, Haushaltsnahe Dienstleistungen und Freiwilliges Engagement. Um diese Bereiche inhaltlich zu untersetzen, bieten heute ca. 30 Vereine, Initiativen und Interessengruppen eine breite Palette an Veranstaltungsformaten an. Die „Pusteblume“ ist ein Anlaufpunkt für alle Generationen. Monatlich besuchen zirka 2.500 Menschen das Haus.

Von Jana Paulsen, Frank-Torsten Böger
1] Archiv Geschichtswerkstatt, Ordner 21: Kinder-Einrichtungen in Halle-Neustadt
2] http://art-werkstatt.eu/ (24.6.2013)
3]http://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/DownloadDokumente/Homepage/Dokumentation_Preis_Soziale_Stadt_ 2012.pdf, S.5 (24.6.2013)

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